Merz wettert gegen „Lifestyle-Teilzeit“ – CEO bringt völlig anderes Modell ins Spiel

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Kanzler Merz sieht Teilzeitarbeit skeptisch. Ein Personalexperte erklärt beim Münchner Merkur von Ippen.Media, welche Chancen sich dennoch bieten.

München – Auf der Jahreskonferenz des CDU-Wirtschaftsrats in Berlin äußerte sich Bundeskanzler Friedrich Merz im Mai 2025 deutlich zur Arbeitszeitdebatte. „Mit Vier-Tage-Woche und Work-Life-Balance werden wir den Wohlstand unseres Landes nicht erhalten können“, sagte er. Unter den anwesenden Unternehmern und Führungskräften erntete er damit Beifall. Aus anderen Parteien und auch aus der Union selbst kam jedoch Widerspruch.

Bundeskanzler Merz schaut skeptisch und fasst sich dabei an seine Brille
Teilzeitarbeit sieht Bundeskanzler Merz kritisch. © Kay Nietfeld/dpa/Hanno Bode/Imago

Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT), ein Zusammenschluss von CDU und CSU, plante, beim CDU-Bundesparteitag in Stuttgart (20./21. Februar 2026) einen Antrag unter dem Titel „Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit“ einzubringen. Angesichts des Widerstands auch innerhalb der eigenen Partei zog der CDU-Wirtschaftsflügel den Begriff „Lifestyle-Teilzeit“ jedoch wieder aus dem Antrag zurück. Warum dieser Begriff aus seiner Sicht verfehlt ist, erläutert ein Personalexperte gegenüber dem Münchner Merkur von Ippen.Media.

Merz will „Lifestyle-Teilzeit“ bekämpfen – doch sie boomt in Deutschland

Teilzeitarbeit ist in Deutschland auf dem Vormarsch. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) kletterte die Teilzeitquote 2025 auf einen neuen Höchststand von 39,9 Prozent – ein Plus von 0,4 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Einen negativen Effekt auf die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden ließ sich dabei nicht feststellen – im Gegenteil. „Teilzeitbeschäftigte arbeiteten mit rund 18,7 Stunden durchschnittlicher Wochenarbeitszeit 0,2 Stunden länger als noch 2024“, erklärte das IAB in einer Mitteilung.

Die Zahlen des IAB liefern damit keinen Beleg für mangelnde Arbeitsmoral oder eine sogenannte „Lifestyle-Teilzeit“. Philipp Riedel, CEO des Personaldienstleisters YER Deutschland, teilt diese Einschätzung. „Die Debatte über Lifestyle-Teilzeit greift aus meiner Sicht in vielen Unternehmen zu kurz und der Begriff ist sicherlich unglücklich gewählt“, betont er beim Münchner Merkur von Ippen.Media. „Ich erlebe in meiner täglichen Arbeit, wie stark die tatsächlichen Arbeitsbedingungen darüber entscheiden, wie viel Menschen leisten können und wollen.“

Merz kritisiert Teilzeit: Experte sieht Arbeitszeitproblem in Deutschland – hat aber anderen Ansatz als der Kanzler

Zugleich räumt Riedel ein: „Im Kern spricht Kanzler Merz ein reales Problem an.“ Demnach „hat Deutschland kein reines Fachkräfte-, sondern zunehmend ein Arbeitszeitproblem“. Unternehmen stünden unter dem Druck des wirtschaftlichen Wandels und des internationalen Wettbewerbs. Gleichzeitig werde „in vielen Branchen händeringend nach Expertinnen und Experten gesucht“, während „die durchschnittliche Arbeitszeit professional Kopf sinkt“. Riedel sieht in dieser Lage jedoch Wege heraus.

„Das fängt bei den Anreizen an, die bei uns im System falsch gesetzt sind. Viele arbeiten weniger Stunden, da sich zusätzliche Arbeit durch Steuern, Abgaben und Bürokratie kaum lohnt – wer mehr Leistung will, muss Mehrarbeit attraktiver machen“, bekräftigt der Personalexperte. „Zudem lässt sich Leistungsfähigkeit nicht losgelöst von den Rahmenbedingungen betrachten. So braucht es etwa eine verlässliche Kinderbetreuung oder versatile Arbeitszeitmodelle. Ansonsten bleibt der Ruf nach mehr Arbeitsbereitschaft für viele Beschäftigte zu abstrakt.“

Philipp Riedel, CEO des Personaldienstleisters YER Deutschland
Philipp Riedel, CEO des Personaldienstleisters YER Deutschland, erklärt, warum die Debatte über „Lifestyle-Teilzeit“ zu kurz greift. © MAIWOLF Photography

Für Riedel ergibt sich daraus eine klare Schlussfolgerung: „Die aktuelle politische Leistungsdebatte geht an der Realität vieler Unternehmen und Beschäftigten vorbei.“ Statt auf moralischen Druck zu setzen, sollte die Politik an den strukturellen Rahmenbedingungen ansetzen. „Leistung entsteht nicht durch Appelle, sondern durch verlässliche Rahmenbedingungen – sonst riskieren wir, genau die Leistungsträger zu verlieren, auf die unsere Wirtschaft angewiesen ist“, warnt Riedel.

Ergebnisorientierung statt Präsenzpflicht: Wie versatile Arbeitsmodelle funktionieren können

Was bedeutet das in der Praxis? Riedel plädiert dafür, starre Strukturen aufzugeben und stattdessen auf Ergebnisse statt auf bloße Anwesenheit zu setzen. „Flexible Vollzeit, Vertrauensarbeitszeit oder auch eine Vier-Tage-Woche können funktionieren, wenn sie an klare Leistungsziele gekoppelt sind und nicht als versteckte Arbeitszeitverkürzung verstanden werden“, erläutert er. In europäischen Nachbarländern seien solche Ansätze bereits weiter verbreitet und würden positiver bewertet: „Flexible Arbeitsmodelle sind dort deutlich etablierter und positiver besetzt als in unserer Arbeitsmarktpolitik.“

Ein weiteres Kernproblem benennt Riedel so: „Viele Menschen wären bereit, mehr zu arbeiten, aber die Anreize im System fördern eher weniger als mehr Arbeit.“ Seine Forderung: „Wenn wir Wachstum wollen, müssen sich zusätzliche Stunden auch finanziell lohnen. Für Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen!“

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Praxisbeispiel und Gen-Z-Daten widerlegen Vorurteile zur Teilzeitarbeit

Riedel untermauert seine Position mit einem Beispiel aus dem eigenen Betrieb. „Produktivität hat wenig mit der Stundenzahl zu tun. Unsere erfolgreichste Sales-Mitarbeiterin arbeitet bewusst in Teilzeit, weil sie Zeit für ihre Familie haben möchte. Gleichzeitig übertrifft sie regelmäßig viele Vollzeitkollegen beim Umsatz.“ Was sie auszeichne: „Sie arbeitet extrem fokussiert. Weniger interne Termine, klare Prioritäten, maximale Kundenorientierung.“ Sein Unternehmen versuche daher, „Performance ergebnisorientiert zu messen und entsprechend zu fördern“.

Häufig richtet sich die Kritik an Teilzeitarbeit auch gegen jüngere Beschäftigte, vor allem die Gen Z. „Dass die Generation Z viel fordert, aber wenig arbeitet, ist ein verbreitetes Vorurteil. Doch es ist falsch. Die jungen Leute sind fleißig wie lange nicht mehr“, stellt IAB-Forschungsbereichsleiter Enzo Weber laut Website des Instituts klar. Die Erwerbsquote der 20- bis 24-Jährigen – additionally der Anteil derer, die Vollzeit oder Teilzeit arbeiten – stieg laut IAB zwischen 2015 und 2023 um 4,9 Prozentpunkte auf 72 Prozent. (Quellen: eigene Recherche, Mittelstands- und Wirtschaftsunion, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung) (kh)


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